Die Liste der Unternehmen, die sich zurzeit auf höchsten Ebenen Machtkämpfe liefern, ist lang. Opel/GM, Metro, EADS – die Liste dieser namhaften Unternehmen lässt sich beinahe beliebig verlängern. Zum Problem werden Machtkämpfe, wenn sie sich über einen sehr langen Zeitraum ziehen und besonders, wenn sie während eines Change Prozesses stattfinden.

Oft enden Machtkämpfe in einem großen Knall. Vor einem solchen Knall steht der ehemalig in Familienbesitz befindliche italienische Milchkonzern Parmalat, wie das Handelsblatt am 21. Nach dem Einstieg des französischen Milchindustriekonzerns Lactalis wollen die drei ausländischem Investmentsfonds Mackenzie Financial Corp., Skagen AS und Zenit Asset Management AB den Parmalet-Chef Enrico Bondi absetzen. Als neuer Chef soll Massimo Rossi, Favorit der ausländischen Fonds, die zusammen auf 15,2% der Anteile kommen, eingesetzt werden. Dieser sieht keine Allianz mit Lactalis, obwohl der französische Konzern 11,4% der Anteile hält. Die italienische Politik ist nicht begeistert von den Entwicklungen bei Parmalat. Der italienische Industrieminister Romani sprach sich für ein italienisches Konsortium aus und Ministerpräsident Silvio Berlusconi bestellte gar den französischen Botschafter zu einem Gespräch.

Ein langes Ränkespiel um Macht droht. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass sich langwierige Machtkämpfe in den meisten Fällen äußert negativ auswirken. Berühmtes Negativ-Beispiel für langwierige Auseinandersetzungen war unter anderem der Machtkampf von Louis van Gaal gegen die gesamte Führungsriege des FC Bayern München. Van Gaal ging Monate lang nicht auf die Hinweise des Vorstandes ein und fällte provokante Entscheidungen. Die Folge: Alle sportlichen Ziele wurden verfehlt, Einnahmen in Millionenhöhe blieben aus und van Gaal musste den Verein vorzeitig verlassen.

Wenn Entscheidungen verschleppt und Umstrukturierungsmaßnahmen verzögert werden, sind gerade für börsennotierte Unternehmen öffentlich ausgetragene Machtkämpfe ein zusätzlicher Risiko-Faktor. Treten solch langwierige Machtkämpfe zudem während sensiblen Change Prozessen auf, ist die Gefahr für das Scheitern dieser Prozesse enorm hoch und leider die Regel. Dass sich im Falle von Parmalat sogar die höchsten politischen Vertreter einschalten, zeugt von einer vor der Eskalation stehenden Situation.

Bevor Umstrukturierungsmaßnahmen eingeleitet werden, müssen heute zunehmend vor allem die Entscheider auf eine klare Linie gebracht werden. Machtkämpfe dürfen kein Tabuthema sein und sind vor Change Prozessen sogar sinnvoll. Klare Machtverhältnisse sind Bedingung für ein erfolgreiches Change Management und sollten vor jedem Change Prozess geklärt sein, um frühzeitig einen einheitlichen Unternehmenskurs festzulegen.
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